Diskutierst du noch oder handelst du schon? #metoo und #aufschrei

Deutsche Diskussionskultur

Dear deutsche Diskussionskultur,

ich mag dich.

Du hast uns den Spion Rainer Rupp beschert – im Zweifel erstmal abwägen, diskutieren und dann den nächsten Weltkrieg verhindern. Du bist die offizielle Mutter von Angela Merkels politischem Hin- und Her. Du bist irgendwie süß. Verglichen mit Trump. Und gut. So authentisch und ehrlich. Und überhaupt alles, ganz klar.

Doch manchmal, da gehst du mir so auf die Nerven, ich werde innerlich ganz grün.

Wie lange diskutieren wir jetzt schon den Schlamassel von #metoo und #aufschrei? Vielleicht gepflegte vier Jahre. Und genau das ist das Problem: Wir diskutieren. Immer noch.

Während in Amerika-Land ein Kopf nach dem anderen rollt, bleiben deutsche Männer bis auf gelegentlich medienwirksam eingebrachte Feminismusverbrüderungsverschwörungsmitleidsstatements da, wo sie schon immer waren: an der Macht.

Schlimmer kommt es an nur an Abenden wie dem gestrigen:

Da sitzen auf einem beruflichen Frauen-Netzwerktreffen vier erfolgreiche Frauen. Und drei von ihnen antworten summa summarum auf die Frage einer Teilnehmerin, was bei sexistischen verbalen oder non-verbalen Übergriffen von Teammitgliedern oder Kunden zu tun sei, mit: Aushalten, solange es dich nicht wirklich persönlich stört.

Aha.

Wie gut, dass es eine vierte Rednerin gab. Die es auf den Punkt brachte: Im Jahr 2018 sollte sowas keine Frau mehr erleben müssen. Und wenn doch: Dann einfach mal sagen: Stop! Das geht mir zu weit!

Denn seien wir mal ehrlich: Es geht immer zu weit! Es hinterlässt immer ein schäbiges Gefühl. Und wenn auch nur unterbewusst. Nicht! Cool!

Ich erinnere mich daher gerne an meine Schweizer Kolleginnen.

10 in einem viel zu kleinen Raum, 6 Männer, 4 Frauen. Eine Frau schlägt vor, den Raum zu wechseln, die anderen Frauen sind – wie immer – unentschieden. Zwei Männer sagen laut und deutlich: Also, mich störts nicht, bleiben wir hier.

Da schreit eine Kollegin: Hierzubleiben ist ein Scheiß-Gender-Entscheid. Wir gehen! (war sowieso auch die bessere Idee, wie wir alle später merken).

Seht Ihr, Ihr Deutschen?

So geht das!

Mehr zum Thema Handeln statt diskutieren, zum Beispiel in Bezug auf die typisch deutsche weibliche Missgunst untereinander, gibt es hier von der famosen Caroline Rosales.

Bildnachweis: Lisa Wartzack

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